Warming up!

Ferien sind nicht nur erholsam, sie bieten auch eine Chance für einen Neuanfang und schärfen den Blick. Oft haben auch die Instrumente tief geschlummert und nur selten das Tageslicht gesehen. Das ist schade, aber warum sollte ich mir das nicht zunutze machen? Nach den Ferien machen wir also ein bisschen Haltungsfrühjahrsputz und besinnen uns noch einmal auf ganz elementare Dinge. Wie komme ich zu einer organischen und rückenfreundlichen Haltung? Wie kann ich den Schülerinnen zu einer erhöhten Sensibilität für ihren Körper verhelfen?

Im Laufe der Jahre haben sich feste Warming up und ausgleichende Rituale entwickelt. Sie entstanden aus verschiedenen Schulen (Fiedelmax, Pipos Geigenschule, Rolland u.a.), Körpertechniken (Yoga, Alexandertechnik, Pilates) und Ideen und Einflüssen von Schülerinnen und Schülern.

Unsere erste Woche haben wir dazu genutzt, unsere Rituale zu dokumentieren!

Und so sieht das bei uns aus:

Wer mit dem Geigen- oder Bratschenunterricht beginnt, sammelt zunächst einmal eine Reihe von Übungen mit dem Instrument, die gleich zu Anfang durchgeführt werden.


Wir nehmen die Geige in Ruhestellung, pflanzen die Füße fest in den Boden und lockern die Knie (Luise brachte mich darauf, die Knie dabei Applaus klatschen zu lassen!). Dann ziehen wir die Schultern bis zu den Ohrläppchen und halten sie dort so lange und fest wir können. Anschließend drehen sich die Schultern nach vorne und dann nach hinten. Um dem Gefühl nachzuspüren und die Stellung der Beine und Füße zu optimieren wiegen wir uns anschließend von Bein zu Bein. Dazu singen wir das Lied „Die Bäume, sie wiegen im Wind“ (Fiedelmax, Vorschule). Das Lied beginnt mit der Quinte A D und stimmt uns so schon auf die Geige ein. Die besinnliche Melodie gibt uns auch die Gelegenheit, im Raum anzukommen, uns aufeinander einzustellen und das Instrument zu spüren. 

Nun kommen wir langsam in die Haltung. Wir zeigen uns gegenseitig die Instrumente, strecken sie dann hoch in die Luft und machen uns ganz lang, bevor die Geige/Bratsche entspannt auf unsere Schulter sinkt und ihren Platz findet.


Um die Höhe richtig einzustellen, zeigt die Schnecke einmal zum Dachboden, dann in den Keller und findet sich schließlich in der Mitte ein. Mein kleiner Schüler Johannes hat dazu den Satz erfunden: „Unbequem (nach oben zeigen), unbequem (nach unten zeigen), in die Mitte geh’n!“ Den Satz habe ich quasi mitgenommen und er hat Platz in unserem Ritual gefunden.

Anschließend singen wir ohne Worte oder Pause das Lied „Bruder Jakob“, begleitet von Harfenpizzicato in Halben. Dazwischen zeichnen die Kinder große Luftballons in die Luft und zeigen möglichst in die richtige Strichrichtung dabei. Die rechte Schulter wird gelockert und das Streichen vorbereitet!


Das Lied „AADD“ aus dem ersten Band „Gemeinsam von Anfang an“ (Hartung-Ehlert) ist eines unserer ersten. Es gehört mit in unser Ritual, weil es den Anfängerinnen Gelegenheit gibt, die Quintstimmung in sich immer  gleich wiederholender Reihenfolge zu hören und sich an die Namen der leeren Saiten zu erinnern. 

Auch links sollten Schulter und Arm warm gemacht werden. Und so gehört in unser Ritual auch das Pendellied aus der Vorschule von Fiedelmax (Holzer-Rhomberg), bei dem der Arm in der späteren Saitenwechselbewegung hin- und herschaukelt.


Für die ganz frischen Anfänger ist an dieser Stelle Schluss und wir gehen an den Notenständer, um uns neuen oder alten Liedern zu widmen. Nach ein paar Wochen allerdings, kommt noch eine Übung für die Finger hinzu.

„Zeigefinger klopf ein bisschen, zeig mal deine Muskelkraft. Mittelfinger tu dasselbe, komm gleich hast du es geschafft…“. So heißt es, nachdem Hand und Finger sich am Griffbrett aufgebaut haben.


Nach wie vor liebe ich diesen Einstieg in die Stunden. Wir kommen beide an, schauen uns an, finden unseren Platz. Und haben auch direkt schon Musik gemacht, ganz ohne direkt bewerten zu müssen, wie und ob es mit dem Üben geklappt hat. Es wird kaum gesprochen, es sind wenige Anweisungen von meiner Seite nötig. Einige Zeit bleiben wir dabei. Meist, bis die Kinder eine Tonleiter spielen können, manchmal, bis ich merke, dass das Ritual sich abgenutzt hat. Dann wird es ersetzt durch andere Übungen und Entspannungstechniken.

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